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Full text of "Grundzüge der Mikrophotographie"

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GRUNDZÜGE 

DER 

MIKROPHOTOGRAPHIE 

VON 

MAX HAUER. 



MIT 7 ILLUSTRATIONEN. 



LEIPZIG 

VERLAG VON OTTO WIGAND. 
1876. 



WELLCOME iNSTITUTE 
LIBRARY 


Coli. 


welMOmec 


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No. 













/ 



Vorwort. 



Meine vorliegende Arbeit „Grundzüge der Mikro- 
photographie“ bildet das Resultat mehrjähriger Arbeit, 
gestützt auf eigene Erfahrung. Diese Schrift soll ins- 
besondere Anfängern eine Anleitung zur Herstellung 
von Mikrophotographien geben. 

Eine günstige Aufnahme wäre für mich ebenso er- 
freuend, als wenn sich durch diese Arbeit mancher der 
geehrten Leser angezogen fühlen würde dem gleichen 
Systeme beizutreten; immerhin würde mein Lohn darin 
gipfeln , wenn ich das Bewusstsein hegen darf zu dem 
grossen Baue der Wissenschaft brauchbares, dem Zwecke 
entsprechendes Material geschaffen zu haben. 

Wenn ich mich an manchem Orte kurz fasste und 
nur andeutend zu Werke ging, so geschah es desshalb, 
weil ich glaube, dass die Verweisung auf Specialwerke 
genügt, und weil ich jede Weitläufigkeit vermieden 
sehen wollte. 



IV 



Schliesslich bemerke ich noch , dass ich für die vor- 
liegende Arbeit weder die Eigenschaft der Vollkommen- 
heit, noch die der Unfehlbarkeit beanspruche; was 
jedoch unablässiges Sammeln und rastlose Thätigkeit 
neben anstrengender Berufsarbeit zu leisten vermögen, 
ist geschehen ; von diesem Standpunkt aus mögen meine 
verehrten Leser an die Kritik dieser Schrift gehen. 

Landsberg, im Januar 1876. 



Der Verfasser. 



Einleitung. 



Niemand wird bezweifeln wollen, dass die Camera lucida 
in ihren verschiedenen Modificationen von den Mikroskopikern 
nur mit Freude begrüsst werden konnte , denn dadurch, dass 
mit der projicirenden Camera viel richtiger gezeichnet werden 
musste, war den bisherigen Phantasiegebilden einigermassen 
eine Grenze gesteckt, wozu sich als weiterer Vorzug die Be- 
schleunigung des Verfahrens reihte. Aber selbst diese Zeichen- 
methode erwies sich als unvollkommen, es begleitete sie ein 
grosser Nachtheil, auch sie litt unter dem Einflüsse subjek- 
tiver Auflassung. Es handelte sich daher um Herstellung 
einer objektiven Zeichnung, um ein Verfahren, welches keinen 
subjektiven Irrthum kennt. 

Hier kam uns der ewig schaffende Genius der Zeit mit 
einer Erfindung entgegen , von der man mit Recht ahnen 
konnte, dass sie sich die Wissenschaft nutzbar machen werde, 
und brachte uns die Entdeckung der Photographie. Und in 
der That bürgerte sich dieselbe alsbald in den verschiedenen 
Disciplinen der Wissenschaft ein, so unter Anderem auch auf 
dem Gebiete der Mikroskopie. 

Verbindet man nämlich ein Mikroskop in geeigneter 
Weise mit einem photographischen Apparate, so sind wir im 
Stande mikrophotographische und gleichzeitig objektive Bil- 
der darzustellen. 

Hauer, Mikrophotographie. 



1 



2 



In welcher Weise dieses bewerkstelligt werden wird, 
werden wir im Laufe unserer Abhandlung kennen lernen. 
Der Rahmen , den ich hei der Ausarbeitung vorliegenden 
Gegenstandes zog, ist zu eng, um auf eine Geschichte der 
Mikrophotographie eingehen zu können , wesshalb ich mich 
begnüge, die Vorth eile kurz zu beleuchten, welche die An- 
wendung der Photographie zu dem in Rede stehenden Zwecke 
bietet. — 

Die Photographie kennt keine subjektive Auffassung, ihre 
Zeichnung ist objektiv, was für exakte Forschung einen wich- 
tigen Faktor bildet. Sie zeichnet aber nicht nur richtig, 
sondern auch rasch und zwar in so rapider Weise, dass ihr 
kein bisher bekanntes Verfahren die Spitze zu bieten vermag. 
In wenigen Sekunden liefert sie die naturgetreuesten Abbil- 
dungen, wodurch das schwierige und fast zum Erblinden rei- 
zende Zeichnen vermieden werden kann. Ausserdem hat die 
Anwendung der Photographie in der Mikroskopie einen wissen- 
schaftlichen Werth dadurch, dass sie ein Mittel an die Hand 
gibt, welches direktes Messen mit dem Zirkel gestattet. Ein 
mit demselben Objektiv photographirtes Mikrometer bildet den 
Massstab für ein unter gleichen Verhältnissen aufgenommenes 
Objekt, und so sind beispielsweise falsche Angaben über die 
Leistungen der Mikroskope geradezu Dinge der Unmög- 
lichkeit. 

Wichtig ist fernerhin die Mikrophotographie bei ihrer 
Verwendung zu Lehrzwecken, denn sie gibt dem Schüler 
statt oft schlechter Zeichnungen die naturgetreuesten Abbil- 
dungen , den Lehrer unterstützt sie bei der Demonstration 
mikroskopischer Objekte, indem derselbe durch den Besitz von 
Mikrophotographien im Stande ist, schon vor der Beobachtung 
durch das Mikroskop auf richtig gegebene Verhältnisse auf- 
merksam zu machen , wodurch die Beobachtung deutlicher 
und verständlicher wird. 

Eine bedeutende Rolle kann die Photographie als mikro- 
skopisches Forschungsmittel erhalten, denn es treten bei dem 
photographischen Processe die ultravioletten Strahlen in che- 



3 



mische Wirksamkeit, und hiedurch können bei einer photo- 
graphischen Aufnahme Detaile zum Vorschein kommen, die 
sich der Beobachtung mit dem Auge entziehen , so dass sie 
auf diese Weise ein Hilfsmittel neuer Entdeckungen werden 
kann. 

Ausser den angeführten Punkten kommt hinzu, dass 
Zeichnungen, wenn auch selbst angefertigt, bei ihrer Verwen- 
dung zum Drucke theuer zu stehen kommen, während die 
Herstellung eines photographischen Negativs nur wenig kostet, 
und die Vervielfältigung auf photolithographischem Wege ver- 
meidet alle jene Hindernisse, welche man sonst dem photo- 
graphischen Copirprocesse entgegenzuhalten suchte. Sofern 
man aber die Bilder nicht einmal selbst anfertigen kann, son- 
dern hiezu eines eigenen Zeichners bedarf, so erhöht sich der 
Preis wiederum um Bedeutendes, wozu noch der Missstand 
tritt , dass diesen Bildern das wesentliche Erforderniss , das 
imitetur naturam fehlt. Diese Zeichnungen theilen in der 
Regel das Schicksal mikrophotographischer Bilder von Fach- 
photographen, sie sind wegen Mangel an richtiger Auf- 
fassung unbrauchbar. 

Will man daher günstige Resultate erzielen , so ist 
dringend nothwendig, dass Zeichnung sowohl als Photographie 
in den Händen Sachverständiger ruhen. 

Fassen wir die angeführten Momente zusammen, so fin- 
den wir den Wunsch, dass die Photographie auf dem Gebiete 
der Mikroskopie häufigere Verwendung finden dürfte, als bis- 
her der Fall, gewiss gerechtfertigt. 



I. 

Die grösste Schwierigkeit, welche dem Mikrophotographen 
entgegentritt, ist der Lichtmangel, bedingt durch die Erfüllung 
zweier optischer Gesetze. Der erste in dieser Hinsicht 
kommende Satz handelt von der Abnahme der Lichtintensität 



1 



4 



durch das Wachsen der Entfernung, während der zweite die 
Abnahme der Lichtstärke durch die Zunahme der Ver- 
grösserung involvirt. Die Intensität des Lichtes bildet somit 
einen Hauptfaktor, wesshalb ich auf eine kurze Besprechung 
der uns zu Gebote stehenden Lichtquellen eingehe. 

Die grösste Intensität aller leuchtenden Körper besitzt 
das Sonnenlicht, und in ihm findet der Mikrophotograph eine 
für alle Fälle genügende Lichtquelle. Bedauerlicherweise ist 
aber dessen Anwendung in unseren klimatischen Verhältnissen 
einseitig, so dass wir gezwungen sind nach einem minder 
problematischen Ersätze zu forschen , und finden solchen in 
dem gewöhnlichen Tageslicht, dessen Intensität für viele Fälle 
um so mehr genügt, als wir im Stande sind mittelst Beleuch- 
tungsapparate das Licht zu concentriren. Allein unbedingt 
kann es ebensowenig angewendet werden, vielmehr können 
Verhältnisse eintreten, wo Sonnenlicht nicht zu haben, diffuses 
Licht trotz der möglichsten Concentrirung zu schwach , so 
dass wir neuerdings zu anderen Lichtquellen unsere Zuflucht 
zu nehmen haben , und gelangen so zu den künstlichen, bei 
deren Aufzählung ich nur das Magnesiumlicht ausführlicher 
bespreche , da mir dieses für die Praxis besonders werthvoll 
erscheint. Ich bediente mich desselben stets , wenn Sonnen- 
licht nicht zu haben, gewöhnliches Tageslicht hingegen zu 
schwach war. 

Die anderen Lichtquellen möchte ich nur kurz angeführt 
wissen. Den stärksten durch Kunst hervorgerufenen Effekt 
bildet unter allen Umständen das elektrische Licht, allein 
Unterhaltungs- wie Anschaffungskosten sind entschieden zu 
theuer. 

Weit einfacher, wenn auch an Effekt diesem nachstehend 
ist das bereits schon erwähnte Magnesiumlicht. 

Durch meine vielen in dieser Beziehung angestellten Ver- 
suche kann ich constatiren , dass dasselbe bis zu einer 600- 
fachen Vevgrösserung die schönsten Resultate zu geben im 
Stande ist. Zu weiteren Vergrösserungen dürfte es allerdings 
kaum mehr brauchbar sein , da ich dasselbe stets ohne Be- 



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leuchtungsapparat anwende. Angegebene Vergrösserung ge- 
nügt fast für alle Fälle, denn es lassen sich bekanntermassen 
bei einer über eine gewisse Grenze getriebenen Vergrösserung 
oft weniger Detaile erkennen als bei einer schwächeren. 

Diese Anschauung begründe ich mit der Angabe Mohls, 
nach welchem die Grenze der grössten Leistungsfähigkeit der 
Mikroskope eine 3- oder 400fache Vergrösserung bildet. Die 
gleiche Ansicht theilt auch Harting, welcher in einem Aufsatze 
(Pogg. Annal. Bd. CXIV), in dem er die neuesten Verbesse- 
rungen der Mikroskope bespricht, sagt , dass man selbst in 
neuester Zeit nicht weit über diese Grenze hinausgekommen 
ist. Nach Dippels Angabe soll zwar die Grenze der höchsten 
Leistung bei den Instrumenten der jetzigen Zeit bei 6- bis 
SOOfacher Vergrösserung liegen, er gibt jedoch dabei an, dass 
er darunter die mit den schwächsten Okularen erzeugte Ver- 
grösserung versteht. 

F ernerhin ist es bekannte Thatsache , dass durch V er- 
grösserungen über eine gewisse Grenze nicht mehr gesehen, 
obwohl die Beobachtung der Objekte leichter und dadurch deut- 
licher wird. Für den Mikrophotographen handelt es sich 
aber nicht um Beobachtung, sondern um einfache Wiedergabe 
alles Sichtbaren eines Objektes. Sollte eine stärkere als die 
angeführte Vergrösserung nothwendig sein, so bietet die Fort- 
setzung der Vergrösserung auf gewöhnlich photographischem 
Wege einen vollkommenen Ersatz. — 

Die Ursache, welche mich zur Vermeidung von Beleuch- 
tungslinsen bei Anwendung des Magnesiumlichtes veranlasste, 
ist nachstehende: Soll der volle Effekt einer Lichtquelle zur 
Geltung kommen, so ist es nothwendig, dass sie sich bei An- 
wendung von Linsensystemen in der Verlängerung der optischen 
Axe befindet. Nun aber müssten wir uns für diesen Zweck 
der Magnesiumlampen bedienen, welche im Allgemeinen keines- 
wegs so genau construirt sind als es hier erfordert wird, was 
eine Ortsveränderung der Lichtquelle zur Folge hat. Hie- 
durch lässt sich die Expositionszeit in keiner Weise feststellen 
was als weit grösserer Nachtheil zu betrachten ist, als der, 



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V ortheil , welcher durch die Anwendung eines Beleuchtungs- 
apparates entsteht. Die vielen Misserfolge in dieser Hinsicht 
veranlassten mich auch alle weiteren Versuche mit Beleuch- 
tungslinsen einzustellen. 

Ich halte den Magnesiumdraht einfach mit der Hand, 
und benütze zum Anzünden eine Spirituslampe, deren Licht- 
kegelspitze ungefähr in die Mitte des Objektivsystemes zu 
stehen kommt, wobei ich bemerke , dass der Mikroskoptubus 
horizontal liegt. Einige Uebung im Halten mit freier Hand 
macht das Resultat weit sicherer als die Anwendung einer 
mit obigem F ehler behafteten Magnesiumlampe, und das immer- 
währende Gelingen mit dieser allerdings sehr einfachen Me- 
thode leite ich davon ab, dass der Durchmesser des brennen- 
den Magnesiumdrahtes stets grösser ist als der Durchmesser 
der Objektivlinsen, wodurch die optische Axe nicht verlassen 
wird. 

Ich hege zwar keinen Zweifel , dass die Mechanik der 
Gegenwart brauchbare Lampen zu liefern im Stande ist, um 
sie aber als Gemeingut für mikrophotographische Zwecke 
machen zu können , dürfte ihre Anschaffung doch zu kost- 
spielig erscheinen. 

Eine weitere verwendbare Flamme bildet das Dru- 
mond’sclie Kalklicht. Es beansprucht aber einerseits mehr 
Umstände , anderseits wirkt es chemisch schwächer , so dass 
ihm unter keiner Bedingung ein Vorzug vor dem Magnesium- 
licht eingeräumt werden kann. Ein schönes Licht soll da- 
durch erhalten werden, dass man Sauerstoff in eine brennende 
Gaslampe leitet, doch hatte ich keine genügende Gelegenheit 
dieses Licht zu prüfen. Die letzte Lichtquelle, welcher ich 
noch gedenken möchte, sind unsere Gas- und Petroleum- 
lampen. 

Sie reichen nach meinen Erfahrungen zwar für schwache 
Vergrösserungen aus, machen jedoch wegen ihrer geringen 
Intensität die Anwendung des nassen Collodiumverfalirens 
unmöglich, wesshalb wir das photographische Trockenver- 
fahren anwenden müssen. Wegen der sehr langen Expo- 



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sitionszeit, welche dieses Licht beansprucht, wird es sich in 
der Praxis keiner zu grossen Anwendung zu erfreuen haben. 

Wir verlassen nun diesen Gegenstand und gehen zu einem 
neuen Capitel über, das von den mikrophotographischen Appa- 
raten handelt. 



II. 

Die Construktion der meisten mikrophotographischen 
Apparate ist der Art, dass ein vertikal stehendes Mikroskop 
mit einer horizontal liegenden Camera obscura in geeigneter 
Weise verbunden ist. Wir finden diese Construktion auch 
an dem von mir früher gebrauchten Apparate , welchen ich 
nur mehr für den photographischen Trockenprocess beibehielt, 
vertreten, und werden denselben bei seiner späteren Beschrei- 
bung näher kennen lernen. Alle Apparate aber dieser Ver- 
bindungsweise zeigen sich bei ihrer Verwendung im nassen 
Collodiumverfahren mit einem Fehler gegen dasselbe behaftet, 
lind bedingen einen Systemwechsel. Genannte Verbindung 
veranlasst nämlich durch die horizontale Lage der präparirten 
Platte eine tropfenweise Ansammlung des Silberbades , was 
unter der Einwirkung des Entwicklers eine ungleiclmiässige 
Entwicklung zur F olge hat, womit die sehr häufig auftretende 
Fleckenbildung in unmittelbarer Beziehung steht. 

Man kann zwar diesem Uebelstande durch Einsaugen- 
lassen des überschüssigen Silbernitrats in Filtrirpapier theil- 
weise Vorbeugen, jedoch gänzlich lässt er sich nicht entfernen. 
Aus diesem Grunde änderte ich das bisherige Princip in ein 
entgegengesetztes um , wodurch das Mikroskop eine horizon- 
tale Lage erhält , und die Camera obscura damit vertikal in 
Verbindung steht. Der so erhaltene mikrophotographische 
Apparat könnte zwar insofern einiges Bedenken erregen , als 
bei ihm die ungeschlossenen Präparate sowie die in neuerer 
Zeit vielfach in Anwendung kommenden Immersionssysteme 



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keine Berücksichtigung finden, allein für diese Fälle nehmen 
wir das photographische Trockenverfahren in Verbindung des 
erst angeführten Apparates als Nothbehelf. 

Nach Feststellung des Principes müssen wir als weitere 
Anforderung von dem Apparate verlangen , dass er hei 
Sonnen-, gewöhnlichem Tages-, sowie künstlichem Lichte ver- 
wendbar ist, was auf nachstehende Weise ausgeführt wird. 
Zum Zwecke der bequemen Handhabung lässt man den 
ganzen Apparat auf einem Dreifussstativ ruhen, auf dem zwei 
durch Charniere verbundene Bretter circa 1 Meter lang mittelst 
einer Flügelschraube befestigt werden können. Das untere 
etwas längere Brett dient zum Anschrauben an das Stativ, 
und trägt in seiner Mitte einen Falz , der theils zur Auf- 
nahme der Flügelschraube dient, theils aber auch den Zweck 
hat, bei einer etwaigen Neigung der beiden Bretter aie Ver- 
legung des Schwerpunktes zu gestatten. Das obere Brett, der 
eigentliche Träger des optischen Theiles, erhält auf seiner vor- 
deren schmalen Kante einen mit einem Kniegelenke versehenen 
eisernen Stab, der durch einen Ausschnitt im unteren Brette 
eine Führung erhält, und mittelst eines seitlich angebrachten 
Schraubens festgestellt werden kann. Mit der Vorrichtung, 
wie wir sie bis jetzt kennen gelernt haben, sind wir im 
Stande jeden vertikalen und horizontalen Winkel einzu- 
schliessen. Es muss zwar zugegeben werden , dass selbe in 
ihrer mechanischen Ausstattung ziemlich stiefmütterlich be- 
handelt ist, jedoch glaube ich aus Billigkeits- und Zweck- 
mässigkeitsgründen für die Beibehaltung dieser einfachen Con- 
struktion stimmen zu dürfen. 

Den optischen Theil des mikrophotographischen Appa- 
rates stellt wie bei dem gewöhnlichen Apparate der Photo- 
graphie ein Objektivkopf und eine Camera obscura dar, nur 
mit dem Unterschiede , dass der erstere für unsere Zwecke 
von dem Linsensystem eines Mikroskopes gebildet wird. 
Einige bedienen sich hiezu nur der Objektivlinsen, ich arbeite 
stets in Verbindung mit dem Okular, da ich fand, dass die 
Bilder schärfer wurden, und ausserdem erhalten wir sie, wenn 



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auch etwas vergrössert, (loch so, wie wir selbe zu beobachten 
gewohnt sind. 

Das ganze Linsensystem bleibt mit den übrigen Theilen 
des Mikroskopes in Verbindung, nur dass man nöthigen Falls 
die Fussplatte entfernt, wenn das Stativ keine Axendrehung 
gestattet, und diese undurchsichtig ist. Zur Befestigung bieten 
der Objektivtisch und der Querarm des Mikroskopes genügen- 
den Anhaltspunkt. Ersterer passt genau in einen auf dem 
oberen Brette angeschraubten, der Form des Objektivtisches 
entsprechenden Holzrahmen , letzterer ruht in einem Klotze, 
dessen Vorderseite nach der Form des Querarmes ausgehöhlt 
und dessen Rückseite geschlossen ist, um bei etwaiger Winkel- 
neigung der Bretter das Zurückrutschen des Mikroskopes zu 
vermeiden. 

Die Camera obscura wird mit dem Mikroskoptubus da- 
durch verbuüden, dass man die durch das Fehlen des Objektiv- 
kopfes entstandene Oeffnung mit einer innen geschwärzten 
Platte von Messing oder Blech versieht, welche engpassende 
Seitenkanten trägt, und so einen lichtdichten Verschluss her- 
stellt. In Mitte dieser Platte befindet sich ein kreisrunder 
Ausschnitt, dem ein circa 5 — 6 Centimeter hoher, innen ge- 
schwärzter Blech- oder Messingcylinder aufgesetzt ist, um 
Röhren von verschiedener Länge anstecken zu können. Zweck- 
mässiger ist, die Röhren über oder in einander laufen zu lassen, 
nur ist nöthig , dass die Röhre , welche mit dem Mikroskop- 
tubus in Verbindung tritt, in ihrem Durchmesser dem der 
Okularrandfassung so entspricht , dass sie über diese genau 
passt. Da dieser Verschluss noch nicht vollkommen licht- 
dicht ist, so stülpt man über die Verbindungsstelle ein starkes 
und ziemlich breites Kautschukband. 

Die Dunkelkammer erhält eine Führung zwischen zwei 
eng pagsende Leisten , innerhalb welcher sie der Länge nach 
hin- und herbewegt dem Mikroskoptubus beliebig genähert 
oder entfernt werden kann. 

Erwähnte Beschreibung passt zunächst für Mikroskope 
ohne vertikale Axendrehung, und gibt das allgemeine Bild 



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eines mikrophotographischen Apparates. Die Angabe der Be- 
festigung für Mikroskope mit Axendrelmng darf ich wegen 
der Einfachheit wohl übergehen. Ich habe nun die prak- 
tische Handhabung des Apparates sowie die geringen Ver- 
änderungen, welche derselbe bei verschiedenen Lichtquellen 
erleidet, anzuführen. Der erste Fall , den wir in den Kreis 
unserer Betrachtungen zu ziehen haben, besagt die Verwen- 
dung des Apparates im Sonnenlichte , wobei zwei Fälle zu 
unterscheiden sind, nämlich direktes Einstellen des Apparates 
in dasselbe oder die Benutzung eines Reflexionsspiegels. In 
beiden Fällen kann man mit oder ohne Beleuchtungslinsen 
arbeiten, im ersten Falle ist es nöthig, der Sonne unter jedem 
Neigungswinkel sowie deren scheinbaren Bewegung folgen zu 
können, welchen Bedingungen wir durch die mit Charnieren 
verbundene und einer horizontalen Drehung fähige Bretter- 
vorrichtung genügen. 

Für den in Rede stehenden Zweck erhält der mikro- 
photographische Apparat zur Vermeidung von Diffraktions- 
Erscheinungen vor das Objektiv eine mattgeschliffene Glas- 
tafel , welche ein Nähern oder Entfernen gestattet. Die 
Fassung dieser Tafel besteht in einem Holzrahmen, der mit- 
telst einer Flügelschraube durch einen Falz am oberen Brette 
festgeschraubt wird. Auch die Camera erhält für angeführte 
Benützung an ihrem Boden ein kleines durchlöchertes Blech, 
durch welches sowie durch einen hinterhalb derselben lau- 
fenden Falz im oberen Brette eine Flügelschraube geht, durch 
deren Anziehung ein Rückrutschen oder Ueberschlagen des 
Apparates vermieden wird. Aus gleichem Grunde werden die 
Okularhülsen , welche meistens sehr lose im Tubus stecken, 
mit etwas Papier umwickelt. Beschriebenen Fall versinnlicht 
uns Figur 1. 

Bei dieser wie den nachfolgenden Zeichnungen sind an 
dem Mikroskope Fuss und Fussplatte weggelassen , ebenso 
der Beleuchtungsapparat, dessen Anwendung sich aus folgender 
Betrachtung, sowie aus der speziellen Abhandlung desselben 
Gegenstandes von selbst ergibt. 






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Fig. 1. 




Der zweite Fall beschäftigt uns mit der Reflexion des 
Sonnenlichtes durch eine Spiegelvorrichtung in Verbindung 
von Beleuchtungslinsen. Die Neigung der Bretter wird hier- 
bei gleich Null , und wenn man mit diesem System allein 
arbeiten will, so genügt überhaupt ein Brett, das indessen 
horizontale Drehung gestatten soll. Zur Reflexion des Lichtes 
benutzt man am besten einen Metallspiegel im Vereine einer 
Heliostatenvorrichtung, welche zur Befestigung des Beleuch- 
tungsapparates genügenden Anhalt bietet. Das Nähere findet 
im nächsten Kapitel Besprechung. Auch die Befestigung des 
Mikroskopes kann hier dadurch vereinfacht werden , dass der 
Rahmen, welcher den Objektivtisch umspannt, ebenfalls durch 
einen Klotz substituirt wird. Die Höhe des Klotzes sowie 
überhaupt jeder Befestigung muss bei Verwendung von Be- 
leuchtungslinsen der Art sein, dass die optische Axe des Mi- 
kroskopes mit der des Beleuchtungsapparates eine Linie bildet. 

Jede weitere Erklärung erspart die Abbildung des Ap- 
parates in Figur 2 (S. 12). 

Ausser dem Sonnenlicht dient uns noch wie bekannt 
diffuses Tages- und künstliches Licht. Der Apparat bleibt 



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Fig. 2 



für das erstere unverändert, nur empfiehlt es sich, das Licht 
von einem grossen, weissen Schirm reflektiren zu lassen, für 
letzteres, namentlich für Magnesiumlicht, dürfte es angezeigt 
sein, den Beleuchtungsapparat auszuschalten. — Die Con- 
structionsweise, welche wir bisher kennen gelernt, repräsentirt 
ein Prinzip der mikrophotographischen Apparate , während 
wir nun auch das andere kennen zu lernen haben. Hier hat 
das Mikroskop seine vertikale Stellung und die Camera ihre 
horizontale Lage. Figur 3 führt uns eine Abbildung des- 
selben vor. 

Fig. 3. Die Camera wird an 

einem seitlichen Holz- 
2 ) Stativ befestigt, dessen 
Fuss mit Blei ausge- 
gossen wird. In Mitte 
der Fussplatte erhebt 
sich eine starke verti- 
kale, innen ausgehöhlte 
Säule , in welcher ein 
massiver Holzcylinder 
läuft , der an seiner 
Spitze eine durchbohrte 
Kugel trägt. Die Boh- 
rung ist der Art, dass 
der durch sie gehende 
Holzcylinder D eine 




13 



horizontale Lage erhält. Dieser trägt an seinem vorderen 
Endei eine Schraubenmutter, welche in die auf der einen Seite 
der Camera angebrachte Spindel passt. Durch die seitlichen 
Schrauben A und E können die Holzcylinder festgestellt 
werden, und die Camera kann hierdurch je nach Zweck ent- 
sprechend gestellt werden. Die Stativhöhe muss der Höhe des 
Mikroskopes sowie der Camera und Ansatzröhren entsprechend 
gearbeitet sein. Der lichtdichte Verschluss geschieht in gleicher 
Weise wie bei den vorigen Apparaten, dessgleichen können 
auch hier die Beleuchtungslinsen Verwendung finden. 

Als Nachtrag zu den mikrophotographischen Apparaten 
habe ich nur noch eines Ersatzes für die Camera obscura zu 
gedenken , welchen eine Casette folgendermassen ausgestattet 
bildet. Sie erhält an ihrem äusseren Holzrahmen auf Seite 
des Schiebers eine innen geschwärzte Blech- oder Messing- 
platte , in deren Mitte sich ein runder Ausschnitt befindet, 
welchem eine einige Centimeter hohe, innen geschwärzte mes- 
singene Cy linderröhre aufgesetzt ist. Ueber oder innerhalb 
dieser läuft ein zweiter mit Sammet ausgefütterter Cylinder, 
der in seinem vorderen Durchmesser dem der Okularrandung 
entspricht , und über diese geschoben einen lichtdichten V er- 
schluss erwirkt. Hinter dem Mikroskope , das auf gleiche 
Weise wie früher horizontal befestigt ist, befindet sich ein 
Brettchen mit zwei eingelassenen Vertikalleistchen, deren Höhe 
und Entfernung der Höhe und Breite der Casette entspricht 
mit der Bestimmung, selbe während der Einstellung und Ex- 
position aufzunehmen. Dieses Brettchen erhält eine Bohrung, 
und kann mittelst einer Flügelschraube und einem Falze am 
Stativbrett festgestellt werden. Die Casette erhält zum Zweck 
der Einstellung eine herausnehmbare mattgeschliffene Glas- 
tafel, mit welcher während der Exposition die präparirte Platte 
vertauscht wird. Bei der Einstellung stülpt man die beiden 
Cylinderchen übereinander, schiebt die Casette in die Vertikal- 
leistchen, nähert den ganzen Apparat dem Mikroskop so weit, 
dass bei dem nun folgenden Auseinanderziehen der Cylinder 
der vordere die Randung des Okularsystems umschliesst. Nun 



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beobachtet man die Beleuchtung, stellt das Objekt ein unter 
Benutzung eines schwarzen Tuches über Kopf und Casette, 
und vermeidet durch gutes Anziehen der Schrauben eine Ver- 
rückung der einzelnen Theile. Zum Einlegen der präparirten 
Platte wird die Casette wieder vorsichtig aus den Leisten 
genommen, was durch Zurückziehen der auseinandergezogenen 
Cylinder geschieht, und mit dem Schieber geschlossen. Nun 
entfernt man die matte Tafel, um sie mit der präparirten 
Platte zu vertauschen. Alle übrigen Manipulationen fallen 
mit dem allgemeinen photographischen Processe zusammen, 
worauf wir später zurückkommen werden. Wiewohl dieser 
Vorrichtung mancher Mangel anhaftet, so leistet sie in Rück- 
sicht auf ihre Billigkeit und Brauchbarkeit hin und wieder 
gute Dienste, wesshalb ihre Erwähnung gerechtfertigt erschei- 
nen dürfte. 



III. 

Der beginnende Abschnitt bespricht den Beleuchtungs- 
apparat, dessen Zweck ist, möglichst concentrirtes Licht zu 
erzielen, um eine stärkere Vergrösserung anwenden zu können, 
und die Expositionszeit zu verkürzen , was sich namentlich 
für das nasse Collodiumverfahren von praktischer Bedeutung 
erweist. 

Die verschiedenen Objekte erfordern aber verschiedene 
Beleuchtung, so dass das eine Mal paralleles, das andere Mal 
convergirendes oder auch divergirendes Licht angewendet 
werden muss. Bevor ich auf die Beschreibung des Beleuch- 
tungsapparates übergehe, möchte ich in Figur 4 eine schema- 
tische Zeichnung vorführen, aus welcher ersichtlich wird, wie 
es in unserer Willkür steht, dieses zu bewerkstelligen. 

Zur Ausführung des Versuches bedient man sich einer 
grösseren , biconvexen Linse , welche wir mit A bezeichnen 
wmllen, und einer kleineren planconvexen, die B heissen soll 
Fällt nun auf die Linse A reflektirtes paralleles Licht, z. B 



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Sonnenlicht, und bringt man 
die Liüse B so vor die Linse 
A, dass ihre Brennpunkte in 
F zusammenfallen, so bleibt 
das Lich't nach seinem Durch- 
gang parallel, wie aus I der 
Fig. 4 erhellt. Nähert man 
die Linse B dem Brenn- 
punkte F der Linse A, 
so wird das parallele Licht 
in divergirendes überge- 
führt , was uns II der 
Fig. 4 zeigt. Kommt end- 
lich die Linse B innerhalb 
wie es III der Fig. 4 versinnlicht, so erhält man aus parallelem 
Licht nach seinem Durchgänge divergirendes. Die Beobach- 
tung dieser Fälle lehrt für die Construction des Beleuchtungs- 
apparates als Haupterforderniss die Beweglichkeit der Linsen 
längs ihrer optischen Axen , sowie eine genaue Bestimmung 
der Brennpunkte. Zur Ausführung der Beleuchtungsvorrich- 
tung lässt man sich zwei Linsen, eine grössere biconvexe und 
eine kleinere planconvexe, so in eine geschwärzte Blech- oder 
Messingröhre fassen , dass sie einen Tubus bilden , dessen 
Röhren im Durchmesser dem der Linsen entsprechen. Die 
Länge derselben steht zu den Brennweiten der Linsen in 
einem solchen Verhältnis , dass durch deren Ausziehen oben 
angeführte Fälle Berücksichtigung finden. So misst beispiels- 
weise bei meinem Beleuchtungsapparate die Länge der grösse- 
ren Röhre 25 Centimeter, die Brennweite der grösseren Linse 
27, während die in ihr laufende kleinere Röhre eine. Länge 
von 10, die Brennweite der Linse eine solche von 4 Centi- 
meter hat. Zur Abhaltung von Randstrahlen schaltet man 
zwischen beide Linsen Blenden ein. Man markirt sich durch 
einen Feilstrich auf der kleineren Röhrenfassung den Brenn- 
punkt der grösseren Linse, und trägt links und rechts davon 
eine Centimeterskala auf, wodurch man nach Bedarf im rich- 



Fig. 4. 




des Brennpunktes F der Linse A, 



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tigen Verhältniss einstellen kann. Die Tubusvorrichtung, 
welcher ich den V orzug einräume , kann auch dahin abge- 
ändert werden, dass die Linsen frei zwischen 2 Leisten in 
passender Fassung verschiebbar sind, wovon auf einer der- 
selben die Messskala angebracht wird und wobei es gut ist, 
wenn die Linsen auch in vertikaler Richtung verstellbar sind. 
Erst angeführter Beleuchtungsapparat erhält je nach seiner 
Verwendung bei den verschiedenen Apparaten kleine Aende- 
rungen und Zusätze, die ich in Kürze anführe. 

Bei Verwendung desselben mit der Heliostatenvorrichtung, 
wie ihn die Figur 2 vorführt , dient die Heliostatenrückwand 
zu seiner Befestigung. Zur Aufnahme des Heliostaten dienen 
zwei in ein Brettchen eingelassene parallele mit Rinnen ver- 
sehene Vertikalleisten aus Holz. Das Brettchen wird durch 
eine Flügelschraube und einen Falz im Apparatbrett be- 
festigt und ist behufs schiefer Beleuchtung einer horizontalen 
Drehung fähig. Die Heliostatenvorrichtung bedarf zwar keines 
Uhrwerkes, aber trotzdem ist sie ziemlich kostspielig, und ich 
erwähne aus diesem Grunde einen anderen vollkommen ent- 
sprechenden Ersatz. Die Linsenfassung bleibt die gleiche, 
nur ruht der Tubus in einer Art Baumschraube, in deren 
Mitte zwischen Charnier und Verschlussschraube ein vertikaler 
Eisencylinder befestigt ist, der mit einer passenden Führung 
Fig. 5. durch das Apparatbrett 

geht, und sowohl eine 
vertikale als horizontale 
Bewegung des Be- 
leuchtungsapparates ge- 
stattet. Er wird , wie 
Figur 5 zeigt, durch 
eine seitliche Schraube 
gestellt. 

Zur Ausführung der 
Längsbewegung erhält 
das Apparatbrett zwei parallele Falzen, von denen der eine den 
Cylinder aufnimmt, während durch den anderen diese V orrichtung 




17 



mit einer Flügelschraube befestigt wird. Als Beleuclitungsspiegel 
dient ^womöglich ein Metallspiegel, dessen eine Seite plan und 
dessen andere Seite concav ist. Der Spiegel wird in einem 
Rahmen gefasst und erhält auf seinen Seitenkanten eine gabel- 
förmige Umfassung mit zwei Schraubenkörnern, zwischen wel- 
chen er vertikal bewegt werden kann. Der Cylinder, welcher 
die Beleuchtungsvorrichtung trägt, hat unterhalb des Tubus 
eine horizontale Bohrung, um einen zweiten zur Befestigung 
des Spiegels dienenden Cylinder aufzunehmen , wobei eine 
seitliche Schraube die Verstellung gestattet. An seiner Spitze 
trägt er eine Bohrung, durch welche ein Vertikalcylinder geht, 
der mit der erwähnten gabelförmigen Umfassung den Spiegel 
tragend endet. Angeführte Vorrichtung gestattet alle nöthigen 
Bewegungen , und bildet den vollkommenen Ersatz einer 
Heliostatenvorrichtung. 



IV. 

Der Besprechung mikrophotographischer Apparate reihen 
wir das Kapitel über das photographische Verfahren an , um 
auch dieses in kurzen Zügen kennen zu lernen. Wiewohl 
die Photographie eine Erfindung der neueren Zeit ist, hat sich 
die Reihe der Vorschriften in einer Weise gemehrt, dass deren 
Aufzählung geradezu ein Ding der Unmöglichkeit wäre. Ich 
beschränke mich daher nur auf die Angabe der von mir seit 
Jahren gebrauchten Methode , umsomehr als ich sie als be- 
währt empfehlen kann. 

Wir haben schon öfters gehört, dass man in der Photo- 
graphie ein sogenanntes nasses Collodiumverfahren und den 
photographischen Trockenprocess unterscheidet, welch ersteres 
zunächst Berücksichtigung finden soll. Ebenso wie man zwei 
Arten im photographischen Processe kennt , spricht man von 
zwei Gruppen Bilder, von denen die einen positiv, die an- 
dern negativ heissen , zu deren Begriffserläuterung wir am 

Hauer, Mikrophotographie. 2 



18 



besten ein Beispiel wählen. Denkt man sich irgend einen 
Gegenstand wie ein Haus, Thurm u. s. w. photographisch 
reproducirt, so haben wir, wenn die Abbildung in Schatten 
und Licht der wirklichen Darstellung entspricht, ein „Positiv“ 
der Photographie. Findet das Gegentheil statt, und sehen 
wir da Schatten, wo dort Licht, und umgekehrt, so entfaltet 
sich uns ein Negativ. Der Unterschied beider Bilder begründet 
sich in der mehr oder minder tief eingreifenden chemischen 
Zersetzung der präparirten Schichte , was bei einem Positiv 
geringer ist und desshalb eine kürzere Einwirkungszeit be- 
ansprucht. 

Die Darstellung der Positivbilder glaube ich füglich um- 
gehen zu können , und zähle nun zunächst die nothwendigen 
Arbeiten auf, welche zur Anfertigung eines Negativs nöthig 
sind. Sie bestehen : 

1) in einer transparenten Unterlage, als welche man 
Glas wählt; 

2) in einem Ueberzug über dasselbe und hiezu dient 
uns eine Flüssigkeit unter dem Namen Collodium bekannt, 
welches zu seiner Lichtempfindlichkeit geeignete Zusätze er- 
hält ; 

3) in einer Lösung, welche den Ueberzug lichtempfind- 
lich macht; 

4) in einer Flüssigkeit, wodurch das nach der Exposition 
unsichtbare Bild sichtbar wird; 

5) in einer Verstärkungsflüssigkeit mit dem Zweck, ein 
schwach hervorgerufenes Negativ zu kräftigen; 

6) < in einer Flüssigkeit, welche die noch gegen Lichtein- 
wirkung empfindliche Platte unempfindlich macht; und 

7) in einem Ueberzug, der das fertige und getrocknete 
Bild vor mechanischen Verletzungen schützt. 

Diese sieben Punkte, welche ich leichterer Uebersicht wegen 
vorausschickte , erhalten im Nachstehenden eine specielle Er- 
örterung. 



19 



Ad 1. 

Die transparente Unterlage zur Herstellung eines photo- 
graphischen Negativs bildet Glas. Was dessen Auswahl an- 
langt, so verwende man nur gute Sorten, sogenannte Spiegel- 
Gläser; denn nur bei diesen sind beide Ebenen annähernd 
parallel, was auf die gleichmässige Schärfe eines Bildes Ein- 
fluss übt, desgleichen sind sie viel dauerhafter, denn bei ge- 
wöhnlichem Glas ereignet es sich im Copirprocess gar nicht 
selten , dass es beim Einspannen im Copir-Rahmen wegen 
seiner mehr oder minderen Gebogenheit springt. Auch die 
Farbe des Glases ist ins Auge zu fassen, denn je weisser 
dasselbe ist, desto rascher geht das Copiren vor sich. Hat 
man in dieser Beziehung seine Auswahl getroffen, so schneidet 
man die Gläser mit einem Diamanten in die entsprechende 
Form, und schleift sie an den scharfen Kanten etwas ab, um 
sich vor Verletzungen zu schützen. Eine ganz besondere 
Sorgfalt muss man dem Putzen der Gläser zuwenden , denn 
es hängt ein guter Erfolg wesentlich davon ab. Neue Platten 
werden einfach auf beiden Seiten mit frischem Wasser so 
lange abgewaschen, bis dasselbe gleichmässig über die ganze 
Platte fliesst, worauf man sie durch Abreiben mit Leinwand 
oder Filtrirpapier trocknet. Hat man sich auf diese Weise 
mehrere Platten vorbereitet, so beginnt das Reinputzen, wozu 
man sich mit Vortheil eines Putzrahmens bedient. Im All- 
gemeinen stellt dieser einen viereckigen Rahmen dar, in dessen 
einer Ecke sich zwei zusammenstossende Leistchen befinden. 
Die Diagonale des Rechteckes wird von einer mit einem 
Falze versehenen Leiste gebildet, in der sich ein Brettchen 
mit einer Flügelschraube versehen , hin und her schieben 
lässt. Dieses trägt auf seiner Oberfläche gleichfalls zwei in 
einer Ecke zusammenstossende Leistchen, welche zu zwei ent- 
gegengesetzten Seiten des Rahmens parallel laufen. Durch 
beliebiges Verschieben dieses Brettchens und Anziehen der 
Flügelschraube kann man Platten von verschiedener Grösse 
in dem Reinigungsrahmen befestigen. Zur Reinigung spannt 



20 



man die Platten ein, übergiesst sie auf einer Seite mit etwas 
Spiritus , und reibt sie mit weissem Filtrirpapier oder Lein- 
wand auf das Sorgfältigste ab. Ist die eine Seite vollkommen 
rein , so schreitet man zum Putzen der andern. Als Kenn- 
zeichen einer gut geputzten Platte mag ein gleiclimässiges 
Anlaufen derselben beim Anhauchen angesehen werden, wobei 
jedoch der Hauch sofort wieder verschwinden muss. Auf 
diese Weise vorbereitete Platten werden in einem gut ver- 
schliessbaren Kästchen, in dessen Innerem sich Leistchen zur 
Aufnahme der Gläser befinden, aufbewahrt. Schon gebrauchte 
Gläser legt man vor ihrer Wiederverwendung in Salpeter- 
säure, wäscht sie mit Wasser ab und behandelt sie dann auf 
gleiche Weise wie neue. Unbrauchbar erweisen sich ver- 
stickte oder solche Gläser, die bereits als Spiegel gedient 
haben, sowie jene, deren Oberfläche oder Inneres Kritze, 
Streifen, Blasen oder sonstige Unreinheiten tragen. 



Ad 2. 

Das Glas wird mit einer Flüssigkeit überzogen , welche 
man durch Auflösen von Schiessbaumwolle in einer Mischung 
von Aether und Weingeist erhält. Sie führt im Handel den 
Kamen Collodium oder Rohcollodium , als Gegensatz zu dem 
in der Photographie gebrauchten präparirten. 

Je nachdem nun dieses Rohcollodium mit einem Salze ver- 
setzt wird, unterscheidet man wieder Jod-, Brom- etc. Collodium. 
Diese Salzzusätze bewh’ken im Vereine mit dem Silberbad die 
durch Licht zersetzbaren Verbindungen. Von der Darstellung 
des Rohcollodiums möchte ich des geringen Verbrauchs wegen 
abrathen , ebenso umgehe ich die Beschreibung zur Herstellung 
der Schiessbaumwolle, über deren Bereitungsweise ich auf Lehr- 
bücher der Chemie verweise. Früher diente mir zur Berei- 
tung des Rohcollodiums nachstehende Vorschrift: 

25 Tlieile trockene Schiessbaumwolle übergiesst man in 
einer Ansatzflasche mit 400 Theilen Weingeist von einem 
spec. Gew. von 0,827, schüttelt gut um und fügt, wenn die 



21 



Wolle vollkommen mit Alkohol durchtränkt, wieder 400 Th. 
Weingeist von demselben spec. Gew. und 500 Th. Aether, 
dessen spec. Gew. 0,72 ist, hinzu. Man verkorkt gut, schüt- 
telt bis zur vollkommenen Lösung zeitweise xim , lässt diese 
zur Klärung einige Wochen stehen und filtrirt ab, wozu man 
sich der im Handel befindlichen Collodium-Filtrirflaschen be- 
dient. Um aus diesem Rohcollodium präparirtes zu erhalten, 
versetzt man es, wie schon bereits angedeutet , mit ein oder 
mehreren Salzen, und hierzu diente mir folgende Vorschrift: 
8 Theile Jodnatrium, 4 Theile Bromcadmium und 3 Th. 
Jodcadmium werden in 100 Th. Weingeist (spec. Gew. 0,82 
bis 0,83) gelöst. Die Lösung wird filtrirt und im Dunkeln 
aufbewahrt. Man mischt nun zu 100 Th. Rohcollodium 10 Th. 
der angegebenen Zusatzflüssigkeit und lässt einige Tage vor 
dem Gebrauch absetzen. Bei dem Kaufe präparirten Collo- 
diums darf man vorsichtig sein, da man gar nicht selten mehr 
oder minder zersetzte Waare erhält; ich rathe überhaupt da- 
von ab, da ja seine Darstellung mit keinerlei Schwierigkeiten 
verbunden ist. — Vor dem Aufgiessen des Collodiums wischt 
man die Glasplatte beiderseits mit einem feinen breiten Haar- 
pinsel ab, um etwa darauf haftende Unreinheiten etc. zu ent- 
fernen , und hält sie während demselben mit Daumen und 
Zeigefinger horizontal , giesst nun so viel Collodium auf, als 
zur Bedeckung der Platte nöthig scheint , neigt sie , um es 
überall zu verbreiten und lässt das überschüssige Collodium 
an einer Ecke ablaufen. Man vermeide ein Ritckfliessen an 
bereits übergossenen Stellen. Die mit Collodium überzogene 
Platte wird leicht auf und ab bewegt, um eine gleichmässige 
Ausbreitung desselben zu erzielen , was so lange fortgesetzt 
wird, bis sich die Abgiessstelle ziemlich trocken anfühlt, wor- 
auf man die Platte in das Silberbad bringt. Man hüte sich, 
zu wenig Collodium aufzugiessen, denn ein Ueberschuss 
schadet nie. Ferner vermeide man zu hohes Herabgiessen, 
da hierdurch gerne Luftblasen entstehen. 



22 



Ad 3. 

Die so vorbereitete Platte wird nun lichtempfindlich ge- 
macht , zu welchem Behufe sie in das Silberbad gelangt. 
Während wir bis jetzt gewohnt waren, alle Manipulationen 
im Freien vorzunehmen, sind wir von nun an und gerade zu 
diesem speciellen Zwecke gezwungen , einen dem gewöhn- 
lichen Tageslichte unzugänglichen Raum aufzusuchen, welcher 
in der Photographie Dunkelkammer heisst. Wir bedürfen 
aber zur Ausführung der verschiedenen Operationen einiges 
Licht und bedienen uns hiezu schwacher Lichtquellen, z. B. 
Lampen- oder Kerzenlicht. In neuerer Zeit hat man von der 
Eigenschaft gewisser Farben, chemisch intakt zu sein, Ge- 
brauch gemacht und sie zur Herstellung von Dunkelzimmern 
benutzt. So kann man mit Anwendung von monochroma- 
tischem Lichte jedes Zimmer in Dunkelzimmer dadurch um- 
wandeln , dass man die Licht durchlassenden Räume mit sol- 
chem Lichte, z. B. gelbem, umgibt. Da jedoch nicht jeder 
Mikro-Photograph beliebige Räume zur Disposition hat, son- 
dern häufig darauf angewiesen ist, die Dunkelkammer in sei- 
nem Arbeitszimmer zu etabliren, so möchte ich nachstehende 
Beschreibung einer solchen geben. Sie besteht aus vier Wän- 
den, welche ein passendes Rahmendach deckt. Zwei Seiten 
davon bilden zwei in eine Ecke zusammenlaufende Mauer- 
theile, während die beiden anderen Theile durch Holzrahmen 
vertreten sind, von denen der eine vollständig beiderseitig 
mit starkem gelben Papier überzogen ist, der andere nur zum 
dritten Theile , an welcher Stelle er eine Holzquerleiste er- 
hält. Der frei bleibende Theil wird als Thüre benutzt, und 
findet durch einen Vorhang seine Verdeckung. Die Befesti- 
gung der Rahmen geschieht mittelst Mauerhaken und diesen 
entsprechenden Oeffnungen im Holzwerke , so dass die Rah- 
men eingehängt werden können. Das Dach bildet ebenfalls 
ein mit gelbem Papier überzogener Holzrahmen, der durch 
Stifte befestigt wird. Die Bestimmung der Länge und Höhe 
der einzelnen Theile überlasse ich dem Ermessen des Einzel- 



23 



nen. Selbstverständlich muss eine solche Dunkelkammer vor 
Nässe, sowie mechanischen Verletzungen geschont "werden. 
Die Ausführung in Holz macht sie dauerhafter, nur bringt 
man auf einer Seite ein kleines gelbes Fenster an. Wir ken- 
nen jetzt die Dunkelkammer in ihrer äusseren Umfassung, 
und dieser soll eine kurze Beschreibung der inneren Einrich- 
tung folgen. Hier erwähne ich einen länglichen , grösseren 
Arbeitstisch, der auf seiner einen Ecke das Silberbad, und 
auf seiner anderen die Fixirlösung trägt, jede in einer eigenen 
Cuvette. Beide Lösungen sind stets bedeckt zu halten. An 
einer Mauerseite befestigt man ein Holzbrettchen , auf dem 
der Hervorrufer und Verstärker, beide in Gläsern, ruhen. 
Unterhalb desselben befindet sich ein viereckiger, mit einem 
Deckel versehener Blechkasten, der als Wasserreservoir dient, 
und dessen Boden einen Blechansatz zum Anstecken einer 
Kautschukröhre hat , welche durch einen Quetschhahn ge- 
schlossen werden kann. Unter diesem steht ein zweiter Be- 
hälter zur Aufnahme des gebrauchten Waschwassers. Ebenso 
sind über dem Arbeitstische einige Bretter zum Aufstellen 
fertiger Negative oder sonstiger Utensilien angebracht. Von 
wesentlichem Belang für ein Dunkelzimmer sind die Tempe- 
raturverhältnisse, welche nicht unter 12° R. sinken und nicht 
über 18° R. steigen sollen. — Nach dieser Einschaltung keh- 
ren wir zu dem bereits Begonnenen Thema zurück, das vom 
Silberbade handelt, und durch Auflösen von 1 Theil salpeter- 
saurem Silberoxyd in 12 Theilen destillirtem Wasser erhalten 
wird. Diese Lösung wird filtrirt und in eine Cuvette ge- 
bracht , welche eine flach liegende oder vertikal stehende 
Schale darstellt , deren Material aus Glas , Rorcellan oder 
Guttapercha bestehen kann. Das Tauchen der Glasplatte, 
welches keine Schwierigkeiten bietet, beschreibe ich nur für 
die Legcuvette. Man senkt die Glasplatte mit ihrer Collo- 
diumseite nach oben in die Cuvette , in welcher sich das 
Silberbad befindet, . vorsichtig ein, bewegt dasselbe leicht auf 
und ab und lässt das Silbernitrat so lange einwirken, bis die 
sich bildenden fettig aussehenden Streifen verschwunden sind 



24 



und die Flüssigkeit gleichmässig über die Platte tliesst , was 
bei frischen Bädern einen Zeitraum von 2 — 3 , bei älteren 
5 — 8 Minuten beansprucht. Nun wird die fertige Platte mit- 
telst eines Silberhäkchens, das man sich durch einen um einen 
rechten Winkel gebogenen Silberdraht darstellt, aus dem Bade 
in der Weise gehoben, dass man sie an einen Rand der Cu- 
vette schiebt, mit dem Silberhäkchen unter dieselbe fährt 
und sie langsam aufhebt. Man fasst die Platte mit zwei 
Fingern , lässt sie über dem Silberbade abtropfen und stellt 
sie zum Einsaugen überschüssigen Silbernitrats auf ein bereit 
gehaltenes Filtrirpapier. Man vermeide dabei jede Rück- 
neigung der Platte , da es Fleckenbildung zur Folge hat. 
Eine so vorbereitete Platte dient zur Exposition, und wird zu 
diesem Behufe mit ihrer Collodiumseite nach unten in die 
Casette gebracht. Bevor ich von der Exposition rede, möchte 
ich auf einige Cautelen über das Silberbad aufmerksam 
machen, und eine Angabe über die Verwendung gebrauchter 
Silberbäder anschliessen. Das Silberbad muss eine schwach 
saure Reaktion besitzen und in seltenen Fällen hat man 
nöthig freie Säure zuzusetzen , da ohnehin das meiste im 
Handel beziehbare salpetersaure Silberoxyd eine solche ent- 
hält. Immerhin überzeugt man sich durch Eintauchen von 
Lakmuspapier von der Reaktion, und setzt, wenn keine 
Röthung erfolgt, so lange tropfenweise verdünnte Salpeter- 
säure hinzu, bis eine Rothfärbung des blauen Lakmusstreifen 
eintritt. Unter keiner Bedingung darf das Bad alkalisch rea- 
giren; ferner beobachte man die Temperatur, die nicht unter 
12° R. und nicht über 18° R. betragen darf. — Frisches 
Silberbad ist nicht sofort verwendbar, sondern muss zuerst 
mit Jodsilber übersättigt werden, was dadurch geschieht, dass 
man eine Glasplatte auf beiden Seiten mit präparirtem Collo- 
dium übergiesst und einige Stunden im Silberbade unter zeit- 
weisem Bewegen liegen lässt. Sollte sich hiebei von der 
Collodiumschichte etwas loslösen, so filtrirt man ab. 

Beim Ankäufe wähle man doppelt krystallisirtes sal- 
petersaures Silberoxyd , dessgleichen trage man für die 



25 



Reinheit des zur Lösung bestimmten destillirten Wassers 
SorgA 

Durch längeren Gebrauch nimmt das Silberbad Aether 
und Weingeist auf, wovon man es durch zeitweises Aufkochen 
befreit. Eine andere Veränderung erfährt das Silberbad durch 
die Abnahme am Silbergehalt, was sich an präparirten Platten, 
welche aus silberarmen Bädern kommen, durch eine bläulich 
durchsichtige Färbung zu erkennen gibt. Das Bad muss 
wieder durch Silberzusatz normirt werden. Zur Messung des 
Normalgehaltes bedient man sich des Silbermessers, dessen 
Beschreibung ich umgehen kann, da jedem Instrumente eine 
solche beigegeben oder auf der Skala angebracht ist. Un- 
brauchbar gewordene Silberbäder behandelt man mit Chlor- 
verbindungen , sammelt den Niederschlag und trocknet ihn. 
Das entstandene Chlorsilber wird entweder selbst wieder ver- 
arbeitet oder an chemische Fabriken verkauft. Man sammle 
auch alle Saugpapiere, Filter u. s. w., welche Silber enthalten, 
da derartige Rückstände ebenfalls von chemischen Fabriken 
angekauft werden. 

Ad 4. 

Bevor die Exposition erfolgen kann, muss das Objekt, 
welches der Aufnahme unterworfen wird , in allen seinen 
Theilen auf der matten Tafel eingestellt sein. Wie schon 
früher erwähnt, beansprucht diese Manipulation und dieses 
vorzüglich bei der oft sehr feinen Struktur mikroskopischer 
Präparate längere Zeit, wesshalb es zweckmässig erscheint, sie 
vor der Präparirung der Platte vorzunehmen , so dass man 
sich unmittelbar vor der Exposition nur kurz von dem Ent- 
würfe aller Detaile zu überzeugen hat. Um feine Struktur- 
verhältnisse schärfer einstellen zu können , bedient man sich 
einer gewöhnlichen Stativloupe oder man wählt eine andere 
Art , welche dadurch hergestellt wird , dass man eine vier- 
seitige, innen geschwärzte Pyramide aus Pappe anfertigen lässt, 
deren vier Seitenflächen genau in den Rahmen der Visir- 
scheibe passen , wobei diese die Grundfläche bildet. In der 



26 



Mitte einer zur Grundfläche parallelen Abstumpfungsebene 
liegt eine Vergrösserungslinse. 

Die Höhe der abgestumpften Pyramide entspricht der 
Brennweite der Linse. Die Einstellung nimmt man bei Ab- 
schluss des Tageslichtes vor, was durch Ausbreiten eines licht- 
dichten Tuches über den Kopf des Beobachters und den 
Apparat geschieht. Ist das Bild in seinen feinsten Theilen 
scharf eingestellt und die Platte präparirt, so beginnt die 
Exposition damit, dass man an Stelle der mattgeschliffenen 
Tafel die Casette bringt, den Casettenschieber entfernt unter 
gleichzeitiger Wegnahme eines kleinen schwarzen Schirmes, 
den man zur Lichtabhaltung vor das Objektiv des Mikro- 
skopes gestellt hat. Nun kann die chemische Lichtwirkung 
beginnen, nach deren Vollendung man den Schirm wieder 
rasch vor das Objektiv des Mikroskopes bringt und den 
Schieber der Casette schliesst. Man nimmt sie heraus , um 
die exponirte Platte im Dunkelzimmer hervorzurufen. Zu 
diesem Zwecke hebt man die Platte aus der Casette, fasst 
sie an einer der oberen Ecken, und lässt das auf der unteren 
Kante angesammelte Silbernitrat in ein Filtrirpapier einsaugen. 
Nun hält man die Platte zum Aufgiessen der Entwick- 
lungsflüssigkeit horizontal , und giesst selbe rasch und gleich- 
mässig über dieselbe. Unter leichtem Auf- und Abbewegen 
giesst man langsam nach, und lässt den Entwickler solange 
einwirken bis das Bild in allen seinen Detailen sichtbar ist, 
worauf man beiderseitig mit Wasser gut abspült. Zum Ent- 
wickler benütze ich folgende Zusammensetzung : 

15 Tlieile schwefelsaures Eisenoxydulammoniak werden 
in 550 Theilen destillirtem Wasser aufgelöst, der Lösung 
8 Theile Eisessig und 22 Theile Alcohol absolutus hinzuge- 
fügt, und bei einer sichtbaren Verunreinigung filtrirt, was 
jedoch vor Zusatz des Alkohols zu geschehen hat. Diese Ent- 
wicklungsflüssigkeit, welche man in ein Becherglas gibt, wird 
niemals in der Mitte der Platte oder von der Höhe herab- 
gegossen, sondern man lässt sie stets vom Rande über die 
ganze Platte laufen. 



27 



Auch vermeide man ein zu vieles Aufgiessen, denn er- 
fahrungsgemäss weiss man, dass die Entwicklung um so lang- 
samer vor sich geht, je mehr Entwickler sich auf der Platte 
befindet. — Für die Dauer der Exposition lässt sich keine 
Norm aufstellen, weshalb ich eine Zeitangabe unterlasse, 
zweckmässig jedoch erscheint mir, den Unterschied einer rich- 
tig und unrichtig exponirten Platte zu erwähnen. Tritt näm- 
lich das Bild bei seiner Hervorrufung bestimmt und in grauer 
Farbe hervor, wobei die dunklen Stellen ihre gelbe Färbung 
beibehalten , so war die Expositionszeit richtig. Zeigen sich 
aber die ersten Anzeichen des Bildes sehr langsam, entwickelt 
sich das Bild unstät, sind die hellen Partien undurchsichtig 
und die Schatten durchsichtig, so war die Beleuchtung zu kurz. 
Erscheint das Bild bei der Hervorrufung augenblicklich und 
bietet es ein mattes eintöniges Aussehen dar, so dauerte die 
Lichteinwirkung zu lang. 

Auf eine eigenthümliche Erscheinung möchte ich hier 
noch aufmerksam machen, nämlich, dass Bilder, wenngleich 
vollkommen scharf eingestellt , nach der Hervorrufung un- 
scharf erscheinen. Ursache hiezu kann eine Flächendifferenz 
zwischen der Visirscheibe und der präparirten Platte bilden, 
wenn beide nicht genau in dieselbe Ebene fallen oder die 
Erscheinung begründet sich in der Abweichung des optischen 
und chemischen F okus. Ist Letzteres der Fall , so ist eine 
Correktion der Fokuse vorzunehmen, was wir durch Einschal- 
ten von monochromatischem Lichte erreichen. Diese Ein- 
schaltung geschieht im Beleuchtungsapparat durch eine Glas- 
scheibe z. B. von dunkelblauer Farbe, womit sich der er- 
wähnte Missstand hebt. Man kann diese Vorrichtung auch 
mit einer vertikal stehenden parallelwandigen Glascuvette, 
welche sich zwischen den Objektivlinsen und dem Beleuch- 
tungsapparate befindet, ausführen , wozu als Flüssigkeit sich 
die Fehling’sche Lösung vorzüglich eignet. 

Die Anwendung des monochromatischen Lichtes ist aller- 
dings mit Lichtverlust verbunden , allein diese Differenz- 
erscheinungen treten hauptsächlich bei Linsen mit langer 



28 



Brennweite, also bei schwach vergrössernden anf, wo wir 
ohnehin keine besondere Intensität bedürfen. Ich hatte in- 
dessen bei meinen Arbeiten, wozu mir ein Zeiss'sches Instru- 
ment diente, niemals mit dieser Schwierigkeit zu kämpfen. 

Ad 5. 

In diesem Capitel lernen wir eine Flüssigkeit kennen, 
welche den durch den Entwickler hervorgerufenen Bildern 
ein kräftiges Ansehen verleihen soll, was für den Copirprocess 
von Bedeutung ist. Diese Flüssigkeit, Verstärker genannt, 
besteht aus zwei Lösungen, welche erst unmittelbar vor dem 
Gebrauche mit einander gemischt werden. Die eine davon 
besteht aus Pyrogallussäure , die andere aus salpetersaurem 
Silberoxyd. 

Die Pyrogallussäurelösung wird durch Auflösen von 
2 Theilen Pyrogallussäure in 300 Theilen destillirtem Wasser 
und 1 Theil Citronensäure hergestellt. Die Silberlösung be- 
steht aus 1 Theil salpetersaurem Silberoxyd und 5 Theilen 
destillirtem Wasser. Vor der Verwendung fügt man auf 
1 Theil der Pyrogallussäurelösung einige Tropfen Silber- 
nitrat hinzu. 

Das Aufgiessen des Verstärkers geschieht in derselben 
Weise, wie das der Entwicklungsflüssigkeit, nur vergesse man 
nicht , wie bereits erwähnt , vor demselben ein sorgfältiges 
Waschen der Platte vorzunehmen. Die Einwirkung wird 
unter leichtem Auf- und Abbewegen so lange fortgesetzt, bis 
der Verstärker eine braune Färbung angenommen hat, worauf 
er ab- und eine neue Menge aufgegossen wird, welche Mani- 
pulation man so lange wiederholt, bis das Negativ vollkommen 
gestärkt erscheint. Hierauf spült man nochmals gut mit Was- 
ser nach. 

Zersetzte Pyrogallussäurelösungen, welche sich durch ihre 
braune Färbung zu erkennen geben , sind unverwendbar. Zu 
beachten hat man hier noch, dass das Mischungsgefäss für beide 
Flüssigkeiten stets rein zu halten ist. 



29 



Mit o-rossem Vortheile bediente ich mich auch eines 

o 

andern V erstärkers , der aus einer verdünnten wässrigen 
Schwefelammoniumlösung besteht. Wenn das Negativ bereits 
mit Lack versehen war , so muss man denselben durch Ein- 
legen in Weingeist entfernen. Als Verstärker benutzt man 
dann Weingeist, dem etwas Schwefelammon zugesetzt ist. 

Ad 6. 

Das hervorgerufene und verstärkte Negativ würde dem 
Licht längere Zeit ausgesetzt dem Verderben unterworfen 
sein, wesshalb man eine Fixirlösung anwendet, die es gegen 
Lichteinfluss unempfänglich macht. Als Fixirmittel gebraucht 
man Lösungen von unterschwefligsaurem Natron oder Cyan- 
kalium. 

Eine dieser Lösungen wird entweder in eine Legcuvette 
gebracht, in welche man das Negativ gibt, oder man giesst 
eine derselben auf die präparirte Platte unter leichtem Auf- 
und Abbewegen und lässt in beiden Fällen bis zur Entfer- 
nung der Jodsilberschicht einwirken. 

Von der Natronlösung verwendet man eine völlig gesät- 
tigte wässerige Lösung, von der Cyankalilösung benutzt man 
ein Verhältniss von 1 Theil Cyankalium in 150 Theilen destil- 
lirten Wassers. 



Ad 7. 

Das nun fertige Bild wird zum Schutze gegen mecha- 
nische Verletzungen auf seiner Collodiumseite mit einem Lack 
versehen. Hiezu benutze ich einen Benzoelack , bestehend 
aus 1 Theil Benzoeharz und 30 Theilen Weingeist. Dieser 
wird flltrirt, wie der Hervorrufer aufgegossen und an einem 
warmen Ort oder über einer kleinen Spirituslampe getrocknet. 
Ein so vollendetes Negativ eignet sich für den Copirprocess. 

Bevor ich einen neuen Abschnitt beginne , möchte ich 
alle Arbeiten, welche wir zur Herstellung eines Negativs 



30 



kennen gelernt haben, kurz rekapituliren , wobei ich voraus- 
setze, dass sich die Dunkelkammer in vollkommener Ordnung 
befindet und die Platten bereits geputzt sind. 

Der Negativprocess schliesst demnach die Einstellung des 
Objektes in sich, dem das Aufgiessen des Collodiums der un- 
mittelbar vorher mit einem breiten Haarpinsel überfahrenen 
Glasplatte folgt. Diesen Arbeiten, welche im Freien vor- 
genommen werden können , reiht sich die Präparation der 
Platte im Silberbade an, was im Dunkelzimmer zu geschehen 
hat. Ist die Bildung der Jodsilberschicht vollendet, so wird 
die Platte aus dem Bade entfernt, in die Casette gelegt und 
exponirt. Nach der Lichteinwirkung hervorgerufen, gut mit 
Wasser abgespült, verstärkt und mit dem Negativlack über- 
zogen. 



V. 

Das fertige Negativ dient im Copirverfäliren, welches in 
der Herstellung eines Papierpositivs besteht als Matrize. 
Man kann zwar, wie bereits bekannt, allerdings gleich Glas- 
positive hersteilen, allein man würde bei einer Vervielfälti- 
gung für jedes einzelne Bild eine eigene Aufnahme bedürfen, 
was für die Praxis höchst umständlich wäre, während wir so 
mit einem einzigen Negativ Hunderte von Papierbildern an- 
fertigen können. 

Bei dem Copirprocess machen wir von der Zersetzbar- 
keit des Chlorsilbers bei Einwirkung des Lichtes Gebrauch, 
was man am besten an einem Streifen Papier wahrnehmen 
kann, der zuerst mit einer Kochsalzlösung imprägnirt und 
dann mit einer wässrigen salpetersauren Silberoxydlösung in 
Berührung gebracht und zuletzt dem Lichte ausgesetzt wird. 
Seine anfänglich weisse Farbe verändert sich rasch und wird 
bei Fortsetzung der Lichtwirkung endlich schwarz. Diese 
Eigentümlichkeit bildet den Grundzug für die Präparation 



31 



des Papieres, und wir verwenden thatsächlich ein mit einer 
Chlorverbindung versetztes Papier. Da aber solche bereits 
Handelsartikel sind und in vorzüglicher Qualität bezogen 
werden können, so dürfte die Selbstdarstellung nicht lohnend 
scheinen. 

Man unterscheidet zwei Arten, ein Albumin- und ein 
Arrowroot-Papier , welche dadurch hergestellt werden , dass 
man gewöhnliches Papier , das in seiner Textur zu rauh ist, 
mit einem Eiweiss- oder Arrowrootüberzug versieht. Gleich- 
zeitig wird in den Fabriken das Salzen des Papieres mit 
irgend einer Chlorverbindung vorgenommen so dass man, um 
das Papier lichtempfindlich zu machen, weiter nichts nöthig 
hat, als dasselbe in eine Silberlösung zu tauchen , welche zu 
diesem Zweck aus 8 Theilen salpetersaurem Silberoxyd und 
100 Theilen destillirten Wassers bestehen kann. Diese Arbeit 
wird in einem dem Tageslicht unzugänglichen Eaume vor- 
genommen und man gibt hiezu das Silberbad in eine Leg- 
cuvette, taucht das zum entsprechenden Format zugeschnittene 
Papier auf seiner chlorhaltigen Seite in der W eise ein , dass 
man es auf zwei Seiten fasst, bauchig biegt und nun langsam 
zuerst die eine und dann die andere Seite herablässt , wobei 
es zweckmässig ist dasselbe an einer Ecke umzubiegen , um 
seine Herausnahme zu erleichtern. Trotz aller Vorsicht, die 
man bei dem Einsenken des Papieres beobachtet, bilden sich 
gerne Luftblasen, welche man, um Fleckbildung vorzubeugen, 
sorgfältig vermeiden muss, was durch dessen zeitweises lang- 
sames Aufheben erzielt wird, wobei die sich zeigenden Luft- 
bläschen mit einem Streifen Carton entfernt werden. Des- 
gleichen vermeide man , dass das Silbernitrat auf die Rück- 
seite des Papieres fliesst. Während das Papier auf dem Bade 
schwimmt , bewegt man es leicht auf und nieder , um eine 
gleichmässige Vertheilung der Silberlösung an allen Punkten 
zu bewirken. 

Die Einwirkung des Bades auf das Papier dauert 2 bis 
3 Minuten , nach welcher Zeit es an seiner umgebogenen 
Ecke herausgezogen und zum Trocknen aufgehängt wird. Die 



32 



abtröpfelnde Silberlösung sammelt man durch ein unter- 
gestelltes Schälchen. 

Ist das gesilberte Papier trocken, so wird es bis zu sei- 
ner Weiterverwendung in einem luftdichten Kästchen sorg- 
fältig aufbewahrt. Wie im Negativprocess muss auch hier 
das Silberbad stets auf seinen Normalgehalt bestimmt sein. 
Bäder, welche durch längeren Gebrauch eine braune Färbung- 
angenommen haben, werden vor Wiederverwendung erwärmt 
und filtrirt. 

Die Exposition des präparirten Papieres geschieht in der 
Regel im sogenannten Copirrahmen. Dieser stellt einen ziem- 
lich breiten, viereckigen Rahmen dar, der auf seiner vorderen 
Seite eine starke, herausnehmbare Spiegelplatte trägt, welche 
auf den an den vier Kanten des Rahmens seitlich angebrach- 
ten Leisten ruht. Die Rückseite wird von einem in den 
Rahmen passenden , in der Mitte getheilten, durch Charniere 
drehbaren Holzdeckel gebildet, um während der Exposition 
das Vorschreiten des Copirprocesses, ohne irgend eine Ver- 
rückung zu veranlassen, beobachten zu können. Um das Pa- 
pier und Glasplatte fest aneinander zu pressen, füllt man den 
Raum zwischen dieser und dem Holzdeckel mit Sammet- oder 
Papiereinlagen aus. Das Anpressen vermitteln zwei Holz- 
arme, welche auf einer rückwärtigen Kante mit Schrauben be- 
festigt sind, w T ovon jeder in einen ihm entsprechenden Aus- 
schnitt eines auf der parallelen Seite angebrachten Aufsatzes 
passt. Mittelst unter die Holzarme geschobener Keile wird 
ein Druck auf die Unterlage ausgeübt. 

Von den verschiedenartigen Construktionen der Copir- 
rahmen möchte ich nur noch eine anführen, welche ihrer Bil- 
ligkeit sowie ihrer praktischen Verwendung wegen Interesse 
verdient. Sie entspricht gerade für mikrophotographische 
Zwecke , da es sich hier meist um kleinere Bilder handelt, 
wozu man geringeren Druck nöthig hat. 

Besagte Copirvorrichtung besteht aus zwei Spiegelplatten, 
von denen die eine die Vorderseite, die andere die Rückseite 
bildet. Letztere ist in zwei Hälften getheilt, welche an ihrer 



33 



Trennungskante einen Leinwandstreifen tragen , wodurch sie 
wie Charniere drehungsfähig sind. Diese beiden Glasplatten 
werden während der Exposition durch Holzklammer anein- 
ander gehalten. 

Die Einlage des präparirten Papieres und des Negativs 
in den Copirrahmen geschieht in der Art, dass man das Ne- 
gativ mit seiner Glasseite auf die gereinigte Spiegelplatte 
legt und auf dessen Bildseite die präparirte Papierseite. 
Hierauf folgt die Sammet- oder Papiereinlage und der IIolz- 
deckel bildet den Schluss. Nun werden die Querarme ge- 
schlossen und mittelst der Keile der nöthige Druck ausge- 
führt. Das Lichtaussetzen geschieht auf der Glasseite des 
Rahmens, während man das Einlegen an einem etwas dunklen 
Orte vornimmt. 

Die Dauer der Exposition hängt vor Allem von der In- 
tensität des Lichtes ab und das richtige Treffen der Beleuch- 
tungszeit ist Uebungssache , wesshalb der Anfänger gut thut, 
neben dem Bilde ein Stückchen präparirtes Papier zu expo- 
niren, um die allmähligen Farbenveränderungen, welche die- 
ses während dem Copirprocess erfährt, einem Studium unter- 
werfen zu können. Man erhält auf diese Weise am raschesten 
einen Maassstab zur Beurtheilung, bis zu welcher Grenze das 
Copiren getrieben werden darf, und welche allgemein ange- 
nommen erreicht ist, wenn sich die dunkelbraune Färbung 
mit dem grünlichen Schimmer zeigt. Das Bild darf etwas 
iibercopirt werden , da es bei seiner weiteren Behandlung 
wieder zurückgeht. 

Um sich über den Gang des Copirens zu orientiren, 
schaut man zeitweise an einem dunklen Orte nach. Ist ein 
Bild auscopirt, so entfernt man es aus dem Rahmen und hebt 
dasselbe bis zur Vollendung sämmtlicher Copien an einem 
lichtgeschützten Orte auf. Hierauf werden sie sorgfältig mit 
Brunnenwasser ausgewaschen, wobei man sie in dasselbe mit 
der Bildseite nach unten bringt. Man vermeide durch Auf- 
und Abbewegen ein Zusammenkleben der Bilder. Das Wasch- 
wasser wird zeitweise erneuert und zwar so lange , bis es 

Hauer, Mikrophotographie. 3 



34 



vollkommen klar abläuft. Brunnenwasser ist aus diesem 
Grunde destillirtem vorzuziehen , weil es wegen Bildung des 
sichtbaren Chlorsilbers Anhaltspunkt zur Beurtheilung des 
richtigen Auswaschens bietet. Das ausgewaschene Bild wird 
getont mit dem Zweck, demselben ein schöneres Aussehen zu 
geben. Als Tonung oder Vergoldungsflüssigkeit benutzt man 
eine wässrige Auflösung einer einfachen oder Doppelverbin- 
dung eines Goldsalzes, wozu ich nachstehende Vorschrift ge- 
brauche : 1 Theil Chlorgold wird in 450 Theilen destillirten 
Wassers aufgelöst und hiezu 20 Theile phosphorsaures 
Natron gegeben. Man schüttelt bis zur völligen Lösung und 
bringt sie zur Benutzung am besten in eine Legcuvette. 

Die aus dem Waschwasser genommenen Bilder lässt man 
abtropfen , befreit sie durch Auflegen auf Filtrirpapier von 
dem noch anhaftenden Wasser und legt sie auf ihrer Bildseite 
in das Goldbad. Nach kurzem Verweilen kehrt man sie um, 
bewegt auf und ab und lässt sie so lange in demselben 
schwimmen bis sie einen schwarzblauen Ton angenommen 
haben. Ist dieses eingetreten, so setzt man die Einwirkung 
noch ein paar Minuten fort, worauf sie herausgenommen in 
eine mit Wasser gefüllte Schale gebracht werden. Diese 
Bilder sind noch nicht lichtresistent, was durch Anwendung 
einer Fixirlösung erzielt wird. 

Bezüglich des Goldbades muss ich noch die Bemerkung 
anknüpfen, dass man sich von dessen Reaktion zu überzeugen 
hat, da erfahrungsgemäss ein alkalisch reagirendes Bad 
schönere Resultate gibt als ein saures. Sollte daher bei der 
Prüfung eine Rötliung des blauen Lakmuspapieres eintreten, 
so fügt man so lange eine wässrige Lösung von doppelt 
kohlensaurem Natron hinzu , bis das Bad alkalische Reaktion 
zeigt. Ausserdem verwende man nur frisch bereitete Gold- 
bäder. 

Zweckmässig ist fernerhin, den ganzen Vorrath an Gold- 
salz in Wasser in irgend einem Verhältniss aufzulösen und 
hievon die bestimmte Quantität zu nehmen, wodurch man 



35 



dem öftern Abwiegen kleiner Quantitäten , wie hier nöthig, 
entgeht. 

Die letzte Arbeit des photographischen Copirprocesses 
besteht , wie bereits angegeben , im Fixiren der vergoldeten 
Bilder. Als Fixirmittel dient uns eine wässrige Lösung von 
unterschwefligsaurem Natron , deren Zusammensetzungsver- 
hältniss gewöhnlich aus 1 Theil unterschwefligsaurem Natron 
und 8 Theilen Wasser besteht. Am besten gibt man diese 
Lösung in eine flache Schale und lässt die Bilder 10 bis 
15 Minuten unter stetem Auf- und Abbewegen verweilen. 
Die ausfixirten Bilder werden zur Entfernung jeder Spur unter- 
schwefligsauren Natrons auf das Beste mit Wasser ausge- 
waschen. Ist dieses geschehen, so hängt man sie zum Trock- 
nen auf, schneidet sie zur entsprechenden Form zu und legt 
sie bis zum Aufkleben zwischen Glasplatten. Zum Aufkleben 
bedient man sich eines feinen Kleisters. 

Ein auf seine Unterlage aufgeklebtes Bild presst man mit 
einem feuchten Schwamm an , legt auf dasselbe Filtrirpapier 
und streift gleichmässig aus. Die trockenen Bilder werden 
satinirt, was man am zweckmässigsten bei einem Fachphoto- 
graphen vornehmen lässt, da gute Satinirmaschinen ziemlich 
theuer sind. 

Mit diesen Angaben habe ich das Wissenswerthe über 
den Copirprocess erschöpft, und ich möchte auch am Ende 
dieses Kapitels alle Arbeiten , die wir in demselben kennen 
gelernt, wenn auch in gedrängter Kürze, wiederholen. 

Sie theilen sich in das Silbern desPapieres, dem das Trock- 
nenin einem dem Tageslicht unzugänglichen Raume folgt, worauf 
sich die Exposition des lichtempfindlichen Papieres anschliesst. 
Nachdem man sich von der richtigen Exposition überzeugt 
hat, nimmt man das Bild an einem dunklen Orte aus dem 
Rahmen und bewahrt es bis zur Vollendung mehrerer Copien 
in einem lichtdichten Raume auf. Hierauf werden die Bilder 
sorgfältig ausgewaschen, worauf das Tonen und Fixiren der- 
selben folgt. Die so vollendeten Bilder wäscht man sorg- 
fältig aus, trocknet, klebt sie auf und satinirt sie. 

3 * 



36 



VI. 

Dem nassen Collodiumverfahren reihe ich den photo- 
graphischen Trockenprocess an. Auch hei ihm existiren eine 
grosse Anzahl von Vorschriften, welche nicht alle Berück- 
sichtigung finden können , weshalb ich mich begnügen muss, 
das von mir erprobte Major Rüssel ’s Tanninverfahren an- 
zuführen. 

Der Hauptunterschied zwischen dem nassen und trocke- 
nen photographischen Verfahren gründet sich in der verschie- 
denartigen Anwendung der lichtempfindlichen Platte , welche 
in dem einen Falle gleich nach ihrer Präparation dem Lichte 
ausgesetzt wird, während sie im andern Falle in einem dem 
Tageslichte unzugänglichen Raume getrocknet und bis zu 
ihrer späteren Verwendung aufbewahrt wird. 

Auch im Trockenverfahren dient das Silberbad dazu die 
mit präparirtem Collodium überzogene Platte lichtempfindlich 
zu machen. Nach Bildung der Jodsilberschicht wird sie her- 
ausgenommen und zur Entfernung des salpetersauren Silber- 
oxydes sorgfältig mit destillirtem Wasser ausgewaschen. 

Das Silberbad , welches man in eine Cuvette gibt , be- 
steht aus 8 Theilen salpetersauren Silberoxydes und 100 Thei- 
len destillirten Wassers , dem man 2 Theile Essigsäure zu- 
fügt. Es muss vor seiner Verwendung gleichfalls mit Jod- 
silber übersättigt werden , was auf gleiche Weise wie beim 
nassen Verfahren geschieht. Neben dem Silberbade hält man 
eine zweite mit destillirtem Wasser gefüllte Schale bereit, 
welche die gut ausgewaschene präparirte Platte aufnimmt. 
Nun bereitet man sich eine zweite Platte für das Silberbad 
vor, nimmt, während sie sich in demselben befindet, die erste 
Platte aus dem Wasserbad, übergiesst sie einigemal mit der. 
sogenannten Präservativlösung und stellt sie zum Trocknen 
bei Seite. Wenn nun auch für die zweite im Silberbade lie- 
gende Platte die Bildung der Jodsilberschicht erfolgt ist, so 
verfährt man wie oben und wiederholt diese Manipulation so 
oft als man präparirte Platten wünscht. 



37 



Die bereits erwähnte Präservativflüssigkeit wird wie das 
Collodium aufgegossen und besteht aus 60 Theilen destillirten 
Wassers , 2 Theilen Tannin und 2 Theilen Honig. Sie wird 
zur vollkommenen Klärung filtrirt und darf stets nur frisch 
verwendet werden , wobei eine einmal aufgegossene Lösung 
nicht wieder benutzt werden soll. Das Trocknen der Platten 
geschieht durch senkrechtes Aufstellen auf Filtrirpapier, 
worauf sie am besten in einem eigenen lichtdichten Platten- 
kasten aufbewahrt werden. Die Platten erfreuen sich einer 
monatelangen Unveränderlichkeit, nur sind sie vor Licht, 
Feuchtigkeit, sowie vor Einwirkung schädlicher Gase zu be- 
wahren. 

Die Exposition beansprucht etwas längere Dauer. Nach 
der Lichteinwirkung wird die Platte aus der Cassette genom- 
men, mit destillirtem Wasser abgespült und mit einer Lösung 
von doppelt kohlensaurem Natron übergossen, welche in 8 Th. 
destillirten Wassers 1 Th. doppelt kohlensaures Natron ent- 
hält. Die Einwirkung dieser Lösung geschieht bis zur Durch- 
dringung der Schicht , worauf sie in ein bereit gehaltenes 
Becherglas abgegossen wird, um sie wieder und zwar in Ver- 
bindung mit der Hervorrufung aufgiessen zu können. Die 
Hervorrufungsflüssigkeit , welcher man die Natronlösung nur 
tropfenweise zusetzt, wird durch Lösen von 5 Th. Pyrogallus- 
säure in 100 Th. Weingeist dargestellt. Die Einwirkung ge- 
schieht bis zur schönen Entwicklung aller Details. Die übrigen 
Manipulationen schliessen sich denen des nassen Collodium- 
verfahrens vollkommen an, so dass es genügt, auf dieses Ver- 
fahren hinzuweisen. 

Wir haben nun auch, wenngleich in kurzen Zügen, das 
Trockenverfahren kennen gelernt und ich möchte hier noch 
mit wenigen Worten der Retouclie der Mikrophotographien 
gedenken , dabei angebend , dass diese nur so weit zulässig 
ist, als es sich um Verbesserungen im Raume des Negatives 
handelt, wobei man als äusserste Grenzlinie die Contouren des 
Bildes zu betrachten hat. An dem Bilde selbst darf durch 



38 



Retouche keine Veränderung vorgenommen Averden, da dieses 
einen groben Fehler gegen die objektive Zeichnung der 
Photographie in sich schliessen würde. 



VII. 

Einen interessanten Theil der Mikrophotographie bildet 
die Weitervergrösserung bereits photographisch aufgenom- 
mener Objekte. Hiezu kann uns das Mikroskop oder ein 
gewöhnlicher photographischer Apparat dienen. 

Der Werth der Weitervergrösserung besteht darin, dass 
wir an Zahlen gelangen, welche die Vergrösserungen unserer 
Mikroskope weit übertreffen, wodurch die Entwicklung neuer 
Details möglich erscheint. Ich erinnere bei dieser Gelegen- 
heit an jene mikroskopischen Photographien des Handels, 
welche bei der Beobachtung mit freiem Auge formlose Punkte 
darstellen , während ihre Betrachtung mit der Loupe schön 
detaillirte Bilder vorführt. Auch Entdeckungen sind, wie be- 
reits erwähnt denkbar, weil das Netzhautbild und das photo- 
graphische Bild keineswegs identisch zu sein braucht, viel- 
mehr können sich bei dem letzteren wegen der Betheiligung der 
ultravioletten Strahlen Verhältnisse zeigen, welche das Auge 
nicht zu sehen vermag. 

Die Vergrösserungen könnten ins Unendliche getrieben 
werden , wenn nicht das Sichtbarwerden des Silbernieder- 
schlages als störende Ursache eintreten würde , was aber 
durch Anwendung verdünnter Silberbäder sowie einer geeig- 
neten Hervorrufungsflüssigkeit weit hinausgeschoben werden 
kann. 

Wie wir gehört haben, dient uns als Vergrösserungs- 
apparat ein Mikroskop oder ein photographischer Apparat. 
Dieses gestattet die Weitervergrösserung verhältnissmässig 
kleiner Flächen, während mit jenem ein ganzes Negativ ver- 
grössert werden kann. Verwendet man das Mikroskop, so 
hat man weiter nichts nöthig, als das Negativ mittelst eines 



39 



Diamanten in die entsprechende Form zu bringen, auf die 
Stelle, welche weiter vergrössert werden soll , etwas Canada- 
balsam zu geben und zur Schonung mit einem Deckglas zu 
bedecken. Die Art der Aufnahme fällt mit der des früheren 
Verfahrens zusammen, nur hat man, insofern es sich um 
starke Vergrösserungen handelt, die geeigneten Lösungen an- 
zuwenden, wovon später die Rede sein soll. Im Allgemeinen 
halte ich es für zweckmässiger, den photographischen Appa- 
rat zu benutzen um so mehr, als die dadurch erhaltenen 
Vergrösserungen für die meisten Zwecke ausreichen; aller- 
dings empfiehlt es sich bei seiner Anwendung jedes gewon 
nene Negativ mit einer guten Loupe zu betrachten, um etwaige 
dem freien Auge unsichtbare Detaile zu entdecken. 

Je mehr nun hier die Vergrösserung betragen soll, desto 
mehr muss der Objektivkopf dem Objekte genähert und die 
matte Tafel um so weiter davon entfernt werden und um- 
gekehrt. Zur Berechnung dieses Verhältnisses bestimmt man 
zunächst die Brennweite des Objektivkopfes des photographi- 
schen Apparates, und findet die Entfernung des Objektives 
von der matten Tafel für eine bestimmte Vergrösserung durch 
Multiplikation der Brennweite mit der gewünschten Vergrösse- 
rung, zu welchem Produkte man die Brennweite noch addirt. 
Beispielsweise betrage die Brennweite eines Objektives 15 
Centimeter und wir wollten eine fünffache Vergrösserung des 
Objektes erzielen, so würde sich folgende Berechnung er- 
geben: 

15x5-f-15 = 90 Centimeter, 

90 Centimeter wäre somit die Entfernung zwischen Objektiv 
und der matten Tafel. 

Die Entfernung des Objektives von dem Objekte ergibt 
sich durch Division der durch obige Berechnung gefundenen 
Zahl durch die Vergrösserung. Für den angeführten Fall wäre 
90 

— = 18 Centimeter der Abstand des Objektes vom Ob- 
jektive. 



40 



Bei dieser Verwendung des photographischen Apparates 
lässt man denselben auf einem 2 — 3 Meter langen Brette, 
welches auf zwei Holzschragen ruht, zwischen zwei eng pas- 
sende Leisten laufen, auf deren oberer Kante eine Centimeter- 
skala angebracht ist, um eine rasche Einstellung der durch 
Rechnung gefundenen Zahlen zu ermöglichen und keine 
Seitenbewegung zu gestatten, damit die matte Tafel und das 
Objekt, das auf der vorderen Seite passend angebracht ist, 
stets parallel bleiben. 

Als Camera eignet sich eine sogenannte Balgcamera mit 
langem Auszug am besten. Bei Ermangelung einer solchen 
nimmt man die beiden in einander verschiebbaren Tlieile der 
gewöhnlichen Camera auseinander, befestigt auf deren oberen 
Seitenkanten je ein Häkchen, in welches ein Holz- oder 
Eisenstäbchen gelegt wird und bedeckt das Ganze zur Ab- 
haltung des Lichtes mit einem lichtdichten Stoffe. 

Ebenso ist es nach meinen Erfahrungen zweckmässig, 
auch den Raum vor dem Objektive mit einem Tuche zu ver- 
kleiden. 

Zur Aufnahme des zu vergrössernden Negativs erhält 
das Brett , auf dem der photographische Apparat angebracht 
ist, an seiner vordem Kante einen ziemlich breiten , auf der 
unteren Seite ungeschlossenen vertikal stehenden Holzrahmen, 
in dem ein zweiter geschlossener Rahmen auf und ab bewegt 
werden kann. Dieser Rahmen hat nach Art der photographi- 
schen Cassetten Einlagen und ist durch seitliche Schrauben 
verstellbar. Die Einlagen sind durch drehbare Federclien in 
einander befestigt und nehmen das Negativ auf, welches mit 
seiner präparirten Seite dem Objektive zugewendet ist. 
Figur 6 (s. folgende Seite) zeigt die Abbildung des eben be- 
schriebenen Apparates. 

Das von dem Negativ vergrösserte Bild liefert ein inter- 
mediäres Positiv, das weiter vergrössert ein Negativ gibt, dem 
ursprünglichen an Licht und Schatten entsprechend. Man 
wähle zur Weitervergrösserung nur fehlerfreie Negative, da 
sich selbstverständlich auch jeder Fehler mitvergrössert. 



41 



Bei geringeren Vergrösserungen genügt diffuses Tages- 
licht, für stärkere muss Sonnenlicht verwendet werden. 



Fig. 6. 




Zur bequemeren Einstellung bringt man eine Vorrichtung 
an , welche die Bewegung der Mikrometerschraube des Ob- 
jektivkopfes gestattet ohne den Platz verlassen zu müssen. 
Durch Anwendung kleiner Diaphragmen wird die Schärfe des 
Bildes wesentlich erhöht. Macht die Anwendung starker Ver- 
grösserungen eine Verdünnung der Lösungen nothwendig, so 
beschränkt sich diese auf das Collodium und das Silberbad 
sowie auf eine Veränderung des Hervorrufers, der in diesem 
Falle kein Eisensalz enthält, sondern eine Pyrogallussäure- 
lösung darstellt. Die Verdünnung des gewöhnlichen präpa- 
rirten Collodiums nimmt man in der Art vor, dass auf 2 Th. 
desselben 1 Th. Aether und 1 Th. absoluter Alkohol zu- 
gemischt wird. Vor der Verwendung lässt man ein paar 
Tage absitzen. 

Als Silberbad benutzte ich eine wässrige salpetersaure 
Silberoxydlösung bestehend aus 1 Th. salpetersaurem Silber- 
oxyd und 25 Th. destillirten Wassers. Die Verdünnung er- 
höhte ich je nach Anwendung der Vergrösserung bis zu 




42 



einem Verhältniss von 1 : 50, wobei ich noch schöne Resul- 
tate erhielt. 

Als Entwickler bediente ich mich der Vorschrift Grer- 
1 ach ’s. Er besteht aus 3 Th. Pyrogallussäure , 1 Th. 
Citronensäure , 300 Th. destillirten Wassers und 20 Th. Al- 
kohol. Man lässt denselben bis zur Entwicklung aller De- 
tails einwirken , giesst ab und wäscht die Platte gut mit 
Wasser nach. Die übrigen Arbeiten schliessen sich denen 
des gewöhnlichen Verfahrens an. 

Die mit diesen verdünnten Lösungen erhaltenen Bilder 
sind ihrer Schwäche wegen zum Copirprocess nicht geeignet, 
wesshalb es nöthig ist das Endnegativ mit den gewöhnlichen 
Lösungen herzustellen. 

Den Schluss dieses Abschnittes bildet die Beschreibung 
eines Apparates, der sich zur direkten Aufnahme ungeschlos- 
sener Präparate bei schwacher Vergrösserung unter Anwen- 
dung des Trockenverfahrens eignet. Figur 7 gibt seine Ab- 

Am geeignetsten erscheint 
hiezu ein gewöhnlicher mit 
einer Balgcamera versehener 
photographischer Apparat, 
dessen Objektiv kurze Brenn- 
weite hat. Dieser ist zwi- 
schen zwei Vertikalleisten, 
welche auf einem Tischchen 
ruhen, verschiebbar und kann 
mit Hilfe von Flügelschrau- 
ben, welche durch die Falze 
der Leisten gehen und mit 
dem oberen und unteren Rah- 
men der Camera in Verbin- 
dung stehen, festgestellt wer- 
den. Der Tisch erhält in der 
Fortsetzung der optischen 
Axe der Objektivlinsen einen Kreisausschnitt, der die Einlage 






Fi g. 7. 




43 



von Blenden gestattet. Auf der unteren Seite des Tisches 
unmittelbar hinter dem Kreisausschnitt ist ein Metallstäbchen 
angebracht, an welchem ein Spiegel an einer federnden Hülle 
auf und ab bewegt werden kann. Der in einer Gabel dreh- 
bare Spiegel ist an diese angeschraubt und gestattet auf diese 
Weise eine vertikale sowie horizontale Bewegung. 

Das Arbeiten mit diesem Apparate reiht sich dem frühe- 
ren Verfahren vollkommen an. 



- - - - 



r 




Inhalt. 



Seite 

Einleitung 1 

I. Lichtquellen 3 

II. Mikrophotographische Apparate ...... 7 

III. Beleuchtungs-Apparate 14 

IY. Nasses Collodiumverfahren 17 

V. Copirverfahren 30 

VI. Photographisches Trockenverfahren 36 

VII. Vergrösserungs-Photographie 38 



Leipzig, Walter Wigand’s Buchilruckerei. 












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